Wisent Reisen - Polen verstehen

WISENT REISEN-STADTFUHRUNGEN

1. Praga - das andere Gesicht Warschaus
Zehn Minuten von der Warschauer Altstadt entfernt liegt auf der rechten Weichselseite das Herz des alten kaufmännischen Stadtviertels, das alte Praga.

Auf der anderen Seite fängt Asien an, sagen die Hochnäsigen unter den Warschauern. Praga ist einfach anders. Daran, dass dies so ist, haben nicht zuletzt Deutsche und Russen einen Anteil. Deutsche machten im Zweiten Weltkrieg nach dem Warschauer Aufstand die Stadt am Westufer dem Erdboden gleich, Russen eroberten Praga am 15. September 1944 und sahen dann vier Monate lang zu, wie die Deutschen auf der anderen Seite der Weichsel ihr Zerstörungswerk vollendeten.

Warschau-West wurde als sozialistischer Beton(alb)traum mit rekonstruierter Retortenaltstadt wiedererrichtet. Praga ist stehen geblieben - als polnisches Trauma. Immer noch für eine gefährliche Gegend gehalten, wirkt es auf das künstlerische Milieu wie ein Magnet. Der Charme der Häuser aus der Zeit der Jahrhundertwende, die den 2. Weltkrieg überlebt haben, wird jetzt gerade wieder entdeckt. Der Straßenhandel blüht. Gepflegte Kapellen mit Kerzen und künstlichen Blumen sind am Tor zu fast jedem Hof zu finden. Viele Ladenschilder wie die von Schneidern, Schlossern oder Schustern weisen auf den kaufmännischen Charakter dieser Gegend hin. Bekannt ist Zabkowska-Straße, die sich einmal in eine "zweite Altstadt" verwandeln soll.

Wir zeigen Ihnen einige spannende Ecken von Praga. Dazu gehört die Ende des 19. Jahrhunderts gebaute Wodkafabrik "Koneser", deren Reiz Katarzyna Zebrowska und Magdalena Przezdziak entdeckt und dort die Verkaufsgalerie "Luksfera" gegründet haben. Im Herzen von Szmulki, dem am meisten vernachlässigten Viertel im alten Praga findet man eine kulturelle Enklave, die es in Warschau in dieser Form noch nie gab. Eine hundert Jahre alte Fabrik ("Fabryka Trzciny"), die der Komponist, Musik- und Fernsehproduzent Wojciech Trzcinski entdeckt und für Theateraufführungen, Ausstellungen, Filme, Modeschauen, Schulungen und Konferenzen umgebaut hat. Zur Kultstätte ist bereits auch die Straße Inzynierska 3 geworden, wo das ehemalige Möbellager von Wróblewski, eine längst vergessene Institution, Künstler aus ganz Polen anzieht. Auch die fast 150-jährige, im byzantinischen Stil gebaute Maria-Magdalena-Metropolitankirche, die Hauptkirche der orthodoxen Christen in Polen, steht auf dem Programm.


2. Ghetto und das jüdische Warschau
(wir empfehlen diese Führung Freitags oder Sonntags -- Samstags sind der Friedhof und die Synagoge geschlossen)

Vor dem 2. Weltkrieg wohnten in Warschau 350 000 Juden (29% Einwohner). 1940 wurde das Warschauer Ghetto gebildet: auf der Fläche con 307 ha mussten 450 000 Juden leben. Nachdem 19.04.1943 Abschaffung des Ghettos beschlossen worden ist, brach der Aufstand aus. Der heldenhafte Widerstandskampf wurde nach Wochen niedergeschlagen.

Wir beginnen unsere Tour auf einem der wenigen erhaltenen Judenfriedhöfe in Polen. Hier befinden sich die Gräber von z.B. L. Zamenhof (Schöpfer von Esperanto), I.L. Perec (jüdischer Schriftsteller). Hier steht auch das Janusz Korczak-Denkmal. Er war Arzt, Schriftsteller und Pädagoge, Gründer eines ungewöhnlichen jüdischen Waisenhauses. Am 6. August 1942 wurden alle Kinder samt Betreuer auf den Umschlagplatz getrieben und in das Vernichtungslager nach Treblinka gebracht. Korczak ging mit den Kindern in den Tod.

Andere Schwerpunkte der Besichtigung sind u.a.: Denkmal der Ghettohelden, vom jüdischen Bildhauer Nathan Rapoport entworfen, vor dem der berühmte Kniefall von Willi Brand stattgefunden hat; Umschlagpaltz, von wo die Juden aus dem Warschauer Ghetto in das Vernichtungslager nach Treblinka ausgeführt wurden.

Sie können auch die einzige erhaltene Synagoge Warschaus, eine Ausstellung im Jüdischen Historischen Institut besichtigen und das jiddische Theater besuchen.


3. Der Sozialistische Realismus und die moderne Architektur Warschaus

In den Jahren 1949-56 wurde den polnischen Architekten der neue Baustil, der sozialistische Realismus, empfohlen: "sozialistisch im Inhalt, national in der Form".

Die Musterbeispiele der realsozialistischen Bauten sind Marszalkowska Dzielnica Mieszkaniowa (MDM - Marszalkowska Wohnviertel) und der vom russischen Architekten Lew Rudnew entworfene, 230 Meter hohe Kultur- und Wissenschaftspalast (polnisch Palac Kultury i Nauki). Der Kulturpalast wurde zwischen 1952 und 1956 gebaut. Zur Zeit seiner Entstehung war er das zweitgrößte Gebäude in Europa. Er wurde zunächst als Symbol totalitärer Unterdrückung vielfach unbeliebt, gilt aber heute als eines der Wahrzeichen von Warschau und beherbergt u.a. einige Kinos, Theater und Museen. Sie können je nach Programm laufende Ausstellung besuchen und einige Räumlichkeiten des Kulturpalasts sehen.

Im Rahmen dieser Tour können Sie auch einen Blick auf das Stadtviertel Muranow werfen: vor dem Krieg dominierte hier das jüdische Bevölkerung, während des Krieges gründeten hier die Deutschen das Ghetto, dass sie nach dem Ghetto-Aufstand völlig zerstört haben. Das heutige Muranow entstand auf den Trümmern von Ghetto. Der Entwurf knüpfte an "die englischen Muster" der Garten-Stadt, Häuser für 30 000 Menschen, Schulen, Kindergärten, Krippen wurden gebaut. Dieses "Arbeiter Paradies" erreicht man durch monumentale Tore.

Wir zeigen Ihnen, wie das sozialistische Warschau in die Stadt des XXI Jhs. integriert wird, wir präsentieren Ihnen Beispiele der modernsten - oft heiß diskutierter - Architektur. Die Stadt beansprucht den Titel "größte Baustelle Europas" - Warschau hat sein Blockbauten-Image abgelegt und ist nun neben Frankfurt, London, Rotterdam und Paris die "höchste" Stadt Europas. Zu den Gebäuden, die wir Ihnen zeigen möchten, gehört u.a. die neue Universitätsbibliothek. Die niedrige, wenn auch sehr umfängliche Stahlbetonarchitektur wird durch das Grün eines auf dem Dach angelegten botanischen Gartens durchdrungen. Wie die Kunsttempel aus dem 19. Jahrhundert, so ist auch der Bau von komplizierten ikonographischen Inhalten durchzogen. Wie sehen auch das einzigartige Multifuntionscenter inmitten von Warschau "Goldene Terassen". Mit 57.000 m2 Verkaufsfläche ist es eines der größten Einkaufszentren Europas. Den Mittelpunkt der Anlage bildet ein Atrium mit Glasdach, das von zwei halbmondförmigen Gebäudeteilen und einem 100 m hohen Gebäude umschlossen ist. Die Stahl-Glas Überdachung besteht aus einem wellenförmigen geometrisch komplexen Netz.

4. Das Warschauer Königsschloss

Bereits der Name des Schlosses, dessen Fassade heute zu einem Großteil aus roten Backsteinen besteht, gibt erste Anzeichen seiner Geschichte. Die Schlossanlage diente einst, genau genommen bis 1795, als Sitz des polnischen Königs, zudem allerdings beherbergte es auch den Senat, sowie den Sejm. Das Schloss wurde im Jahre 1939 durch Luftangriffe zerstört und schließlich im Jahre 1944 auf Himmlers Befehl hin, gesprengt.

Unter dem kommunistischen Parteichef Edward Gierek fiel 1971 die Entscheidung zum Wiederaufbau auf der Basis freiwilliger Spenden, der 17 Jahre dauerte. Vorlage für die Rekonstruktion des Schlosses, wie der gesamten Altstadt, waren die berühmten Veduten Canalettos, die für den Wiederaufbau dieses Teiles der historischen Innenstadt herangezogen wurden. Zwanzig dieser Gemälde befinden sich in dem Canalettosaal.

In der Schlosskapelle befindet sich zur Erinnerung an das wechselvolle Schicksal des Landes eine Kapsel mit dem Herzen des Freiheitskämpfers Tadeusz Kosciuszko. Besichtig werden verschiedene Innenräume: der prächtige Ballsaal, der Audienzsaal mit königlichem Thron, zwei private königliche Zimmer.

Wisent Reisen wünscht Ihnen einen erlebnisreichen Aufenthalt in Warschau !


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