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Narew Nationalpark

Narew Nationalpark wurde 1996 gegründet und kann ohne weiteres als eine Perle im europäischen Maßstab bezeichnet werden. Der Fluss Narew bildet hier ein außerordentliches Wasserlabyrinth, mit einem ganzen Netz von sich verzweigenden Flussbetten - deshalb wird dieses Gebiet „Polnisches Amazonien“ genannt. Moore, Sumpfgebiete und Gewässer sind die dominierenden Ekosysteme und umfassen ca. 90% des Parkgebiets. Der grosse Reichtum des Narew-Tals und des Parks ist die Vogelwelt. 203 Vogelarten wurden nachgewiesen, von denen 150 hier brüten. Im Parkgebiet leben rund 40 Säugetierarten, darunter eine kleine Population von Elchen und Ottern sowie zahlreiche Biber.






"Zu Recht nennt man das Flusssystem von Narew und Biebrza den europäischen Amazonas. Auf Hunderten von Quadratkilometern breitet sich das Geflecht der Flussarme aus und durchzieht eine zauberhafte, in manchen Bereichen fast urtümlich anmutende Landschaft aus Wäldern, Mooren, Sümpfen und saisonal überschwemmten Wiesen. Das Wasser ist hier das prägende Element, denn Narew und Biebrza fließen auf weiten Strecken so, wie die Natur es eingerichtet hat. Entsprechend groß ist der Reichtum an Tieren und Pflanzen.
Während im Bereich der Biebrza Wälder und Sümpfe vorherrschen, ist die Landschaft an der Narew offener. An ihrem Mittellauf durchbricht sie mehrere von den Gletschern der letzten Eiszeit quer zu ihrer Fließrichtung aufgeschüttete Endmoränen aus Kies und Lehm und bildet dazwischen breite Becken mit 20.000 bis 30.000 Hektar Fläche, durchsetzt von einem Netz unzähliger verästelter Flussarme, wie man das sonst nur im Delta großer Flüsse findet. So kommt es, dass 7.000 Hektar, eine Fläche fast so groß wie der Chiemsee, manchmal mehrere Wochen unter Wasser stehen. Besonders reichhaltig ist die Vogelwelt in der Überschwemmungsfläche von Waniewo-Rogówek, wo das Gefälle der Narew weniger als 0,15 Prozent beträgt." (www.euronatur.org)





"Hier dürfen sich die Flüsse noch frei durch die flache Landschaft winden. Wizna liegt am Ufer der Narew, etwas flussabwärts der Stelle, wo die Biebrza sich mit der Narew vereint. Nach der Schneeschmelze überschwemmen die beiden Ströme ihre kilometerbreiten Flusstäler und lassen Anfang Mai, wenn sie sich in ihre Mäander zurückziehen, Teiche mit kleinen Inseln, gefüllte Altarme und sumpfige Wiesen zurück.

Jedes Frühjahr kehren riesige Schwärme von Wasservögeln aus Afrika hierher zurück, teils nur um sich vor dem Weiterflug Richtung Polarkreis zu stärken, teils um wilde Paarungsrituale aufzuführen und auch zu brüten. In den neunziger Jahren gelang es glücklicherweise, diese «grüne Lunge Polens» dauerhaft unter Schutz zu stellen: Der 1993 gegründete Biebrza-Nationalpark im Norden Wiznas ist der grösste Nationalpark in Polen, weiter östlich befindet sich mit dem «polnischen Amazonas» der jüngste unter den 22 polnischen Nationalparks: der National- und Landschaftspark Narew. Er schützt seit 1996 ein europaweit bedeutsames Gebiet für die Vogelwelt. Auch Schweizer Umweltorganisationen, allen voran der Schweizer Vogelschutz SVS, haben die Schutzanstrengungen finanziell unterstützt." (Christian Kaiser, Am Woodstock der gefiederten Sänger, 2. Juni 2002, NZZ am Sonntag)





Die Hauptdarsteller dieses Woodstocks der Vögel sind jedoch die Kampfläufer, die Wappentiere des Biebrza-Nationalparks. Hier geben sie ihr einziges Gastspiel in Europa, bevor sie in die Tundren Sibiriens ziehen.Überwiegend flach aber voll einzigartiger Schönheit erinnert die Biebrza Region an die eiszeitliche Ära, der sie Entstehung und Gestaltung verdankt. Zurückweichende Eismassen haben nicht nur die Flußebene und die umliegenden Hügel geformt, sondern auch mitgeführte Gesteine aus Skandinavien hier abgesetzt, Viele dieser Gesteine wurden beim Bau der malerischen Biebrzaer Ställe und Schuppen verwendet. Ein besonders beeindruckender Findling markiert das geografische Zentrum Europas, das sich mitten im Stadtzentrum von Suchowola, der Hauptstadt einer Gemeinde von Biebrza, befindet. (in: www.urlaub-polen.de)

Es scheint, als hätten diese Nomaden der Lüfte ihre Tänze direkt aus Afrika mitgebracht. Die rund 30 Zentimeter grossen Männchen plustern ihre Halsfedern zu untertassengrossen Kränzen auf und rennen aufeinander zu. Die bunte Halskrause gleicht dabei einem Schild, aus dem ihr langer dünner Schnabel wie ein Speer herausragt. Sie fechten mit den Schnäbeln, springen auf und schlagen sich in der Luft mit Schnabel und Beinen, landen wieder, wirbeln um die eigene Achse und trippeln rückwärts. Mit diesen Scheinkämpfen wollen sie die noch freien Weibchen beeindrucken.

Kein Brunftkleid gleicht dabei dem anderen. Es gibt Männchen mit schwarzen Ohrbüscheln, brauner Halskrause und grauem Körpergefieder oder solche mit weissem Kopfschmuck und braunem Gefieder. Dazu farbige Gesichtswarzen von hellgelb bis dunkelrot. Kombinationen in allen Varianten tanzen auf den Balzplätzen.

Von Brzostowo aus lässt es sich in rund sechs Stunden im Kanu auf den Mäandern von Biebrza und Narew nach Wizna gleiten. Vorbei an Sumpfdotterblumenmeeren voller Schwäne, Enten und Kraniche, begleitet von fünf Seeschwalbenarten, Grau- oder Blässgänsen. Immer wieder fegen ein paar Hundert Kampfläufer im Formationsflug über die Sümpfe. Bei jedem Richtungswechsel blinken ihre hellen Flügelunterseiten wie Zitterpappelblätter im Sonnenlicht. «Schöner als Pappelblätter», wendet Przemek ein.

Und in der Dämmerung klatschen gar die Biber mit ihren Schwänzen auf das bleierne Wasser. Schliesslich heisst Biebrza nicht umsonst auf Altpolnisch Biberfluss. (Christian Kaiser, Am Woodstock der gefiederten Sänger, 2. Juni 2002, NZZ am Sonntag)





weiterführende Links

Der Internetauftritt des Narew Nationalparks
Wikipedia über Narew Nationalpark
Projekt Narew


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