Klassiker der polnischen Literatur

  
Miron Białoszewski, geboren 1922 in Warschau, starb dort 1983, war Poet, Theatermann, ein Bohemien in Zeiten der Volksrepublik, Gastgeber literarischer Salons im Plattenbau, ein Freigeist der besonderen Art. 1944 kämpfte Miron Białoszewski im Warschauer Aufstand. Zwanzig Jahre später schrieb er seine Erfahrungen nieder. "Nur das, was war"die ist ein dramatischer Bericht aus der Sicht eines Zivilisten. Über 200 000 Bewohner der Stadt fanden den Tod, und Warschau wurde nahezu vollständig zerstört.
In „Das geheime Tagebuch” legt der Poet sein Leben dar. Auf Deutsch sind außerdem erschienen: „Wir Seesterne” (2012) eine Auswahl seiner Gedichte.
Tadeusz Borowski, geboren 1922 in Schitomir (Ukraine), studierte Polonistik an der Untergrund-Universität in Warschau. 1943 wurde er verhaftet und nach Auschwitz deportiert, danach in andere Lager, zuletzt nach Dachau. Nach der Befreiung der Konzentrationslager hielt er sich in München auf, wo 1945 ein Gedichtband erschien. 1946 arbeitete er als Redakteur in Warschau, 1949/50 als Korrespondent in Berlin. 1951 nahm sich Tadeusz Borowski in Warschau das Leben. Auf Deutsch "Bei uns in Auschwitz" »Klare, selbstquälerisch gnadenlose Erzählungen.«
Imre Kertész
Ida Fink, geboren 1921 in Polen, entging der Judenvernichtung mit Hilfe von gefälschten Papieren. 1957 wanderte sie nach Israel ausAb 1957 lebte sie in Israel, wo sie als Autorin über den Holocaust schrieb. Sie schrieb in Polnisch und wurde 1985 mit dem Anne Frank Preis ausgezeichnet. Auf u.a. Deutsch: "Die Reise"
Witold Gombrowicz (1904–1969) gehört zu den Titanen der europäischen literarischen Moderne. In seinen exzentrischen Romanen zerstörte er die Mythen der polnischen Gesellschaft.Milan Kundera zählt ihn neben Kafka, Musil und Broch zu seinem „Viergestirn der Moderne“. Gombrowicz habe als erster erkannt, so Kundera, dass sich im 20. Jahrhundert die Welt so schnell zu drehen begann, dass man gleichzeitig Konservativer und Rebell sein konnte, Witzbold und Philosoph. In Hanser Verlag sind siene Gesammelte Werke erschienen.
Zygmunt Haupt, 1907 in Ulaszkowce am Seret (heute Ukraine) geboren. Studium der Architektur in Lemberg, seit 1939 Soldat, zunächst in Ungarn, dann in Frankreich und England. 1946 übersiedelte er in die USA und arbeitete ab 1951 für Voice of America. 1963 erschien in Paris sein Erzählband Ein Ring aus Papier, die einzige Publikation zu Lebzeiten. In seinen Texten gewinnen die weiten, melancholischen Landschaften des europäischen Ostens, die endlosen Wälder, aber auch der Theodorplatz in Lemberg oder eine Straße in Paris eine sinnliche Prägnanz, die den Malerdichter verrät. Haupt starb 1975 in Winchester/Virginia.
Zbigniew Herbert, geboren 1924 in Lemberg, erlebte als Schüler die sowjetische, dann die deutsche Okkupation und schloss sich 1943 dem polnischen Widerstand an. Seit 1956 veröffentlichte er Gedichte und Essays. Jahrelang bereiste er Italien, Frankreich und Griechenland. Herbert, der 1998 in Warschau starb, ist vielleicht der europäischste aller polnischen Dichter. Jahrelang bereiste er Europa, schrieb neben Gedichten Essays über Architektur, Kunst, Geschichte, Ästhetik und europäische Mythologie. Er starb 1998 in Warschau Auf deutsch u.a. "Gesammelte Gedichten"
Der 1921 im heute ukrainischen Lemberg als Sohn eine polnisch-jüdischen Arztes geborene Lem debütierte 1946 mit „Der Mensch vom Mars“ als Schriftsteller und machte sich über die Grenzen Polens hinaus einen Namen als Science-Fiction-Autor. Seine Romane, die auch auf deutsch erschienen sind, gehören zu den literarisch anspruchsvollen Klassikern des Genres.Auf Deutsch u.a. "Robotermärchen", "Sterntagebücher".
Czesław Miłosz, als Sohn polnischer Eltern in Setainiau im damaligen Litauen geboren, emigrierte 1951 nach Frankreich und lebt seit 1956 in den USA, wo er heute noch in Berkeley lehrt. Berühmt wurde er durch seinen hellsichtigen Essay über den Kommunismus, der unter dem Titel »Verführtes Denken« 1953 auf deutsch erschien. Für seine Gedichte: wurde er 1980 mit dem Nobelpreis ausgezeichnet. Auf deutsch u.a. "Das Tal der Issa", "Die Strassen von Wilna", "Gedichte"
Halina Poswiatowska wurde 1935 in Tschenstochau geboren und litt seit ihrer Kindheit an einem schweren Herzfehler. Nach ersten Gedichtveröffentlichungen 1957 schriftstellerischer Durchbruch. 1958-1961 Amerikaaufenthalt. Ihr autobiografischer Roman "Erzählung für einen Freund" erschien 1967, nur wenige Monate vor ihrem Tod. Ungewöhnlich frei spricht sie von Liebe, Schmerzen und Sehnsucht.Gedichtband auf Deutsch "Immer wenn ich leben will".
Wislawa Szymborska 2. Juli 1923 in einem Dorf nahe Posen in Westpolen geboren. Acht Jahre später zog sie mit ihren Eltern in die südliche Stadt Krakau. Dort entwickelte sie eine tiefe Bindung zu der Stadt und dessen intellektuelles Milieu - und lebte hier bis zu ihrem Tod im 2012. Im Jahr 1996 hatte sie für ihr literarisches Werk den Nobelpreis erhalten. Das Komitee nannte sie den "Mozart der Poesie", die die Eleganz der Sprache mit der "Wut eines Beethovens" verbunden habe. Ihre Lyrik "bringt mit ironischer Präzision Fragmente der menschlichen Realität im historischen und biologischen Kontext ans Licht", hieß es damals in der Würdigung. Szymborska benutzte vor allem einfache Objekte und alltägliche Bilder, um auf auf größere Themen wie Liebe, Tod und die Vergangenheit zu referieren. Auf Deutsch u.a. "Glückliche Liebe und andere Gedichte"
Bruno Schulz wurde 1892 als Sohn eines jüdischen Textilhändlers in Drohobycz/Galizien geboren. Nach dem Abitur wollte er Maler werden, doch die finanziellen Verhältnisse machten ein Architekturstudium ratsam. Krankheiten, der Tod des Vaters und die wirtschaftliche Situation zwangen ihn, sich als Zeichenlehrer zu verdingen. Daneben arbeitete er als Maler und Graphiker und begann zu schreiben. 1936 wurde er mit dem »Goldenen Lorbeer« der Polnischen Akademie für Literatur ausgezeichnet. 1942 kam er ins Ghetto; wenig später wurde er von der Gestapo auf offener Straße erschossen. Auf Deutsch erschienen u.a. "Das Sanatorium zur Sanduhr", "Die Zimtläden"